Moderator der ARD [00:00:00]: Inspirierende Geschichte. Wir haben Kontakt aufgenommen mit den Angehörigen von Martina. Martina ist vor wenigen Tagen gestorben und wir haben natürlich nachgefragt, ob wir diesen Film ausstrahlen dürfen und es wurde uns bejaht, weil es in ihrem Sinne gewesen wäre und deswegen tun wir das auch. Und jetzt wollen wir sprechen über das Thema Trauer mit Stefan Hund. Stefan, schön, dass du da bist. Du bist Trauermanager. So einen Film zu sehen, das ist ja eine Geschichte von und das finde ich immer so bewundernswert, von ungeheurer Kraft oder sowas, sowas umzusetzen, sowas zu machen, sich sowas zu wünschen. Stefan Hund [00:00:30]: Auf jeden Fall. Denn es geht ja wirklich auch um gelebtes Leben. Und heutzutage gibt es zwar viele, die sagen, am liebsten würde ich abends ins Bett gehen und morgens nicht mehr aufwachen. Aber wenn wir einfach mal zurück gucken, 300, 400 Jahre früher, wenn ich in Kirchenlieder reingucke, die meisten wollten einfach möglichst lange noch sich von allen verabschieden. Und ich glaube, das ist ein Wert, an den können wir wirklich wieder anknüpfen. Moderator der ARD [00:00:57]: Diese Berufsbezeichnung Trauermanager, die sich zusammensetzt aus einem Begriff, den wir aus der Wirtschaft kennen, der oft wenig zu tun hat mit Empathie, Emotionalität und Trauer. Was sind da deine Kernaufgaben? Was ist dein Einsatzgebiet? Stefan Hund [00:01:09]: Der Trauermanager als solches ist ein Tool, was wir damit Du hast im Endeffekt Handlungsleitfäden für jeden der großen Traueranlässe. Das heißt also für einen schweren Arbeitsunfall oder der Kollege hat einen medizinischen Notfall, Herzinfarkt oder der Kollege stirbt, sein Partnerin sterben oder du hast eine Fehlgeburt oder gegebenenfalls auch Suizid. Und in dem Moment sind die Manager absolut überfordert. Und bevor ich da groß nachdenken muss, unterstützt der Trauermanager individuell für jedes Unternehmen mit einem eigenen Fahrplan, sodass ich dann als Führungskraft nur noch reingucken Was kann ich tun, Was kann ich sagen, Was kann, Was kann ich anbieten, Ohne jetzt direkt auch erstmal auf meine Führungskraft zuzugehen nach dem Was darf ich denn tun? Moderator der ARD [00:01:58]: Aber um genau darüber zu Was darf ich sagen, was kann ich tun? Wir haben ja vorhin mit Carolin Lüdemann über das richtige Benehmen gesprochen, über Manieren im Trauerfall, Wie nähere ich mich Hinterbliebenen richtig? Stefan Hund [00:02:09]: Das Allerwichtigste ist authentisch. Authentisch und ehrlich. Also ich kann mir gut vorstellen, wenn ich Leute oder die Trauernden näher gekannt habe, dann gehe ich auf sie zu. Am besten auf Augenhöhe, wirklich auch angucken, Ansehen verleihen und ich bin bestürzt. Oder ich lege die Hand auf, wenn das die Beziehung hergibt, um denjenigen zu unterstützen, ihm in dieser Situation Kraft zu geben. Moderator der ARD [00:02:39]: Aber wie vermeide ich da Floskeln? Weil man neigt ja dazu, dann Floskeln zu bemühen, einfach aus Unsicherheit heraus. Stefan Hund [00:02:46]: Richtig. Die meisten sind erstmal unsicher. Die wollen an der Stelle nichts falsch machen. Aber das Wichtigste ist, in diesem Moment einfach zu sagen, wie geht es mir in diesem Moment? Ich bin bestürzt oder ich weiß im Augenblick nicht, was ich sagen soll. Das ist deutlich besser, nichts zu sagen und das auch so zu kommentieren als Entschuldigung, irgendwo eine Floskel oder Eimer zu labern. Moderator der ARD [00:03:08]: Mache ich das persönlich oder per Karte? Stefan Hund [00:03:13]: Das kommt darauf an, ob du einfach zu den Menschen hinkommst oder du nimmst es per Karte. Ich habe gerade eben die Kollegin gefragt, die die Karten moderiert hat. Da gibt es auch Trauerkarten, was sich zum Beispiel ein Unternehmen oder jemand privat zulegt und dann natürlich am besten handschriftlich, am besten mit einem Füller mit einer besonderen Wertigkeit dann demjenigen gute Gedanken schickt. Moderator der ARD [00:03:35]: Bist du jemand, der empfehlen würde, Hinterbliebenen seine Hilfe anzubieten? Oder woran mache ich das Abhängig, ob ich das tue? Stefan Hund [00:03:43]: Das eine ist, ich muss von vornherein ü Kann ich das leisten? Will ich das leisten? Und dann ist es natürlich auch immer ein Angebot. Das heißt also, wenn ich dir zum Beispiel meine Hilfe anbieten würde, dann darfst du natürlich auch mir gegenüber Du möchte ich im Augenblick nicht. Das ist Teil jedes Angebotes. Das andere ist aber, ich muss für mich als derjenige, der etwas anbietet, auch gleichzeitig dafür sorgen, dass ich es dir wiederum anbiete. Denn die meisten sind in der Trauer erst mal so in einer Art von Trauertrance, dass sie von sich aus selbst da nicht auf mich zugehen würden und sagen würden du hast mir doch versprochen, dass. Moderator der ARD [00:04:19]: Und wenn ich in so ein Gespräch gehe, um zu kondolieren, dann findet man oft den Einstieg. Dann sind die Bedürfnisse des Gegenübers ja sehr unterschiedlich. Also wenn die Person reden möchte, dann rede Ich natürlich, aber wie beende ich so ein Gespräch auch richtig? Stefan Hund [00:04:33]: Also würdevoll, auf jeden Fall verbindlich. Ich beispielsweise sage in der Regel viel Kraft für die Situation und guck auch wenn das angebracht ist, soll ich innerhalb der nächsten Wochen noch mal Kontakt mit dir, mit ihnen aufnehmen, um einfach nochmal nachzufragen. Denn in dem Moment prasselt so viel auf die einzelnen Trauernden runter, denn da ändert sich ein gesamtes Lebensmodell und nach 3, 4, 5 Tagen, dann sacken auch viele Trauernde erstmal zusammen und dann ist es gut, wenn man nochmal nachfragt. Moderator der ARD [00:05:07]: Und ich glaube, man muss da auch nachsichtig sein, weil ja jede Situation sehr, sehr individuell und unterschiedlich ist. Ich glaube, da muss man auch verzeihen können, vor allem als jemand, der dann nur kondoliert, in Anführungszeichen. Stefan, vielen, vielen Dank für die ganzen Tipps bei diesem wichtigen Thema schön.